Welche Bremsflüssigkeit

Hallo,

ich habe die komplette Bremsanlage überholt.

HBZ und Bremskraftregler demontiert, gesäubert und wieder zusammengebaut.

Alle 4 Radbremszylinder überholt mit neuen Dichtungen und Kolben.

Alle Schläuche und Leitungen neu.

Kann mir nun jemand mitteilen welche Bremsflüssigkeit ich am besten verwende?

 

Gruss Stefan

Bild von Tilmann Karl

Hallo,

herkömmliche DOT4 SL Bremsflüssigkeit ist hier richtig.
Entlüftungs-Schritte sind im Reparaturhandbuch beschrieben.
Wechsel dann Regelmäßig alle 2-3 Jahre.

 

Grüße

Tilmann Karl

69-Padmagrün

73-Bermudagrün

 

Alles klar, danke.

Hat evtl. jemand schon mal Erfahrungen mit DOT5 gemacht?

 

Gruß Stefan

Bild von Tilmann Karl

Hierzu müsste es schon Beiträge im Forum geben.

Ich rate davon ab, es lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Neue Fahrzeuge haben auch kein DOT5. Es dürfen keine Bestandteile der alten Bremsflüssigkeit mit der DOT5 in Kontakt kommen. Wie will man das gewährleisten?

 

Grüße

Tilmann Karl

69-Padmagrün

73-Bermudagrün

 

Bild von Matthias vom Bodensee

Den rechtlichen Aspekt mal außer Acht gelassen:

Es ist denke ich häufig auch eine Glaubensfrage. Die einen schwören drauf, die anderen verteufeln es.

 

Ich denke aktuell auch mehr und mehr über eine Umrüstung nach.

Im Prinzip hieße es alle Bremszangen, öffnen und sauber machen inklusive HBZ und Bremskraftregler. Definitiv nichts für Laien sondern für Fachleute oder Schrauber mit der entsprechenden Erfahrung!

Ein einfacher Wechsel der Flüssigkeit wird nicht empfohlen, da nicht sicher gestellt werden kann, dass keine hygroskopische Bremsflüssigkeit mehr im System bleibt, welche sich am Boden von Bremszylindern absetzen kann, da die DOT5 leichter als die DOT4 ist.

Wichtig bei Umrüstung auf Silikonbremsflüssigkeit ist auch, dass die Dichtungen nicht aus Silikonkautschuk sind, weil die aufquellen können mit der DOT5. Das muss vorher geprüft werden. Bei Altbeständen besteht die Gefahr eher nicht. Meist sind es die neuen billig-Nachfertigungen die aus diesem Material sind. Darum ist das vor Einbau neuer Dichtungen zu prüfen. Das haben mir einige Oldtimerhändler im Gespräch unabhängig voneinander so erzählt. 

Ich kenne mittlerweile einige, die die Umrüstung an anderen Fahrzeugen als dem Ro80 durchgeführt haben und seither nie wieder Probleme hatten. 

 

Jetzt wird hier sicherlich gleich wieder ein Aufschrei von einigen kommen, aber meine Erfahrungen der letzten Jahre zeigt, dass die wasseranziehende Bremsflüssigkeit vor allem bei Fahrzeugen die viel stehen oder wenig bewegt werden mehr kaputt macht, als das sie bringt. Gerade an Bauteilen die weniger der Bewegung unterliegen als andere, wie z.B. bei vielen Ro80 der Bremskraftregler der nunmal die Tendenz zum festgammeln hat. Und nicht für jedes Fahrzeug wachsen Neuteile oder gute Gebrauchtteile auf Bäumen so wie beim Ro80.

 

Ich habe aktuell das Problem an einem Fahrzeug, an dem trotz jährlichem!!! Bremsflüssigkeitswechsel die Radbremszlinder gammeln und undicht werden und das obwohl die vor 3 Jahren erst nagelneu rein gekommen sind, was scheints kein Einzelfall ist nachdem was mir andere so berichten!!

Jetzt gibt's sicherlich welche die sagen: "Ja aber das die Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist, ist absicht, damit die Feuchtigkeit im Bremssystem gebunden wird sonst wären die Hersteller die letzten Jahrzehnte dumm gewesen, wenn sie das nicht geändert hätten".

Wenn man so wie ich tagtäglich den Mist sieht der seitens der Hersteller konstruiert wird, bekommt man doch häufig berechtigte Zweifel an dem was die da so treiben und hinterfragt manches. 

 

Die meiste Feuchtigkeit kommt wohl über den Ausgleichsbehälter rein, da dieser als einzigster mit Luftfeuchtigkeit unmittelbar in Kontakt kommt, da der Behälter eine Belüftung hat.

Direkte Langzeit-Vergleiche von Fahrzeugen gleicher Bauart die sowohl einmal mit Silkonbremsflüssigkeit und einmal mit Dot4 befüllt waren, zeigen hier gravierende Unterschiede, die ich nicht so einfach ignorieren kann.

So sind Radbremszylinder in dem einen Fahrzeug mit Dot4 nach 2-3 Jahren wieder vergammelt und undicht, während das andere baugleiche Fahrzeug seit 12 Jahren mit Dot5 fährt und dessen Radbremszylinder weder gammlig noch undicht sind! Für mich ein gewichtiges Argument.

 

Die Dot 5 wird wohl auch viel im Rennsport eingesetzt und hat den Vorteil, dass sie nicht aggressiv gegenüber Lack ist, somit frisst es einem nicht gleich den ganzen Lack weg, wenn wirklich mal eine Undichtigkeit entstehen sollte, die nicht sofort entdeckt wird. Gerade bei Trommelbremsen sieht man das ja meist erst wenn die Suppe schon rausrennt und sich der Lack schon ablöst oder bei abweichendem Bremswert eine Sichtkontrolle durchgeführt wird.  

Letzten Endes muss jeder selbst wissen was er tut. Diejenigen die umgebaut haben (teils schon seit langer Zeit) sind überzeugt davon und das sicherlich nicht ohne Grund!

 

schöne Grüße

Matthias

Bild von Sascha Scheben

Hallo Stefan,

auch wenn Matthias in seiner Abhandlung viele Aspekte vorträgt, incl. derer, dass, wenn überhaupt, der Einsatz von DOT5 nur in einem nagelneuen und absolut leeren System Verwendung finden sollte, so beachte neben dem Passus der (zulassungs-) rechtlichen Seite auch folgendes:

Du schreibst, dass Du von Dir überholte Komponenten verwendest, ein an sich guter Ansatz und gute Voraussetzung, doch birgt dies auch zusätzliche Gefahren. Der Bremskraftregler ist zum Beispiel eine Komponente, die auch unseren sehr erfahrenen Schraubern überwiegend kopfzerbrechen bereitet, da sie ihn nicht dicht bekommen. Sollte Dir das geglückt sein, Daumen hoch, doch was wenn nicht? Kann hier dann nicht auch Feuchtigkeit eindringen?

Sascha Scheben, 53879 Euskirchen / NRW

3 3 0  Cosmoblau 03/70 ; 5 3 1 Gletscherweiß 07/70

2 5 2  Lotosweiß  05/72 ; L 63Z Spanischgrün 01/73

Danke für die Anregungen.

Ich frage gerade deshalb nach DOT5 weil ich ja aktuell wie gesagt alles neu gemacht habe.

Neue Bremsleitungen

Neue Bremsschläuche aus dem Clubshop

HBZ auseinander gebaut- gereinigt-wieder zusammen gebaut

Bremskraftregler auseinander gebaut-gereinigt- wieder zusammen gebaut

Alle 4 Bremssättel auseinander gebaut -gereinigt- mit neuen Kolben und Dichtsätzen aus dem Clubshop wieder zusammen gebaut

 

Vertragen die neuen Dichtungen und Schläuche überhaupt DOT5 ?

Ich habe schon im Forum gelesen das der Regler oft Probleme macht,

ich werde mal Matthias Steil fragen ob er sich den mal ansehen kann.

 

Aber nach sovielen Einwänden denke ich werde ich dann wohl doch DOT4 nehmen.

 

Gruß Stefan

 

Bild von Dirk Weber

Hallo,

 

seit etwa 2009 verwende ich nach Überholung des gesamten Bremssystems nur noch DOT5. Und seitdem ist es nie wieder vorgekommen, daß irgendwo etwas festgegammelt ist. Ich habe auch einmal bei einer meiner Kutschen die 4 Bremssättel überholt, neue Bremsschläuche eingebaut aber sonstige Bremsleitungen und auch die beiden Hauptbremszylinder belassen wie sie waren. Lediglich das System entleert und anschließend deutlich mehr als notwendig DOT5 durchlaufen lassen. Also quasi damit durchgespült. Selbst hier wo ja definitiv noch Spuren der alten DOT4 im System verblieben sind hat es keine Probleme gegeben. 

Gruß aus dem Westerwald,
Dirk Weber
(Ro 80 Kreis südliches Westfalen)

Bild von Matthias vom Bodensee

Danke Dirk für Deinen Erfahrungsbericht. Für mich überwiegen allmählich die Vorteile. Ein Bekannter von mir fährt seit 15 Jahren damit, hat die DOT5 sogar in seinen 190ern drin. Lt. seiner Aussage verfärbt sich die DOT5 gelb, wenn noch ein Rest herkömmlicher Bremsflüssigkeit drin war. Deshalb spült er auch gründlich durch. 

Bei meinem Ro besteht da aktuell kein Zwang, aber auch hier werde ich über eine "Umölung" nachdenken. Aktuell darf ich mir da an einem 65 Jahre alten Auto Gedanken machen, wie ich die gammlige Bremse wieder Verkehrssicher machen kann (alles zusammen gegammelt). Hier steht nebenbei noch die Überlegung im Raum gleich auf Zweikreisbremse umzurüsten um etwas mehr Sicherheit zu haben. 

 

schöne Grüße

Matthias

Bild von Philipp

Hallo zusammen,

ich habe seit 2008 einen Citroen ID 19 mit Hydropneumatik und der grünen Hydraulikflüssigkeit. Diese bedient ja bekanntlich auch die Hochdruckbremse. Hier habe ich - Asche auf mein Haupt - noch niemals an Bremssätteln oder Radbremszylindern entlüftet bzw. die Flüssigkeit mal durchlaufen lassen, um an den Endverbrauchern" mal neues Hydrauliköl zu haben. Funktioniert aber nach wie vor tadellos. An den anderen Autos dagegen tausche ich alle 2 Jahre die DOT 4-Bremsflüssigkeit, was schon nervt. Insofern ist eine "wartungsfreie" Bremsflüssigkeit schon reizvoll. Bei kompletter Erneuerung aller Komponenten der Bremsanlage würde ich auch auf DOT 5 wechseln.

Bild von Joachim Voss

Hallo zusammen

 

fahre in meinem NSU Ro80 die Bremsflüssigkeit DOT-5

noch keine beanstandungen.

alles Super.

 

Gruß

Joachim

                                          

Bild von Matthias vom Bodensee

Hallo Phillip,

 

bei den Hydropneumatik-Fahrzeugen mit Hydrauliköl besteht ja auch kein Bedarf, da das Hydrauliköl nicht wasseranziehend ist wie die Bremsflüssigkeit. Bei einer Servolenkung wird im allgemeinen das Öl ja auch nicht nach 2 Jahren gewechselt und ist mitunter Jahrzehnte drin.

 

schöne Grüße

Matthias

Hallo Matthias

Bei den Citroens "steht" die Flüssigkeit in der Bremse, ein gelegentliches öffnen des Entlüfters bringt schwarze und keine grüne Flüssigkeit mehr zu Tage, ist also auch sinnvoll. Im Übrigen gibts für die Zentralhydraulik auch ein Wechselintervall.

Zum eigentlichem Thema kann ich mich nur den obigen Erfahrungen anschließen, alles immer unproblematisch gewesen, nie Probleme gehabt.

Gruß Jörg

Bild von Matthias vom Bodensee

Hallo Jörg,

 

in dem Fall werde ich meinem Bekannten mal dringenst empfehlen die Flüssigkeit in der Bremse zu wechseln, da er mir mal erzählt hat es gäbe da kein Wechselintervall. So kann man sich täuschen!!!

 

Es ist doch recht erstaunlich wie viele mit problemlos mit DOT5 fahren.

 

schöne Grüße

Matthias