Kraftstoffreserve

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Liebe Foristen und Experten,

am letzten Samstag hatte ich die Gelegenheit eine Ro80-Tankfüllung komplett auf einer Tour zu verbrauchen.

Dabei hatte ich 98% Autobahn, so dass ich den Langstreckenverbrauch ermitteln wollte. Meine Tankanzeige ist jetzt nicht die zuverlässigste, d.h. ich nutze sie nur zur groben Orientierung. Die Tankanzeige flackerte nach ca. 500 km das erste Mal, insbesondere bei langen Kurven und Berg-und-Tal-Strecke.

Nach 585 km, an einer Bergauf-Strecke, begann der Motor plötzlich zu stottern, fing sich aber wieder. Dieses Warnzeichen wollte ich nicht ignorieren und fuhr an der nächsten Abfahrt ab, um zu tanken. Am Ende der Abfahrt ging der Motor dann aus und war nicht wieder zu starten. Die Tankstelle war in ca. 400 m bereits in Sichtweite.

Ich saß noch im Ro, als hinter mir ein Audi A6-Avant-Quattro hielt und der Fahrer seine Hilfe anbot. So dauerte der Weg zum vollen Reservekanister und zurück keine 5 MInuten. Glück gehabt.

Da der Ro trotz der 5 l Kraftstoff nicht sofort wieder ansprang, habe ich den LiMa-Stecker gezogen und vorsichtshalber die Kerzen gewechselt. An den Kerzen war außer völliger Trockenheit keine Auffälligkeit zu erkennen.

Nachdem ich den LiMa-Stecker wieder eingesteckt hatte, kam der Ro auf den ersten Dreh am Schlüssel. Puhh...

An der Tankstelle passten dann aber gerade einmal 66 l in den Tank, incl. der 5 l aus dem Kanister sind das also 71 l.

Lt. technischer Angaben soll der Tank 83 l Fassungsvermögen haben.

Dies würde einen Schnitt von 12,1 l für die Autobahnfahrt bedeuten. Sehr gut! Im Alltagsbetrieb ist er sonst bei 14,5 bis 15 l.

Am Sonntag fuhr ich ca 35 km und habe dann nochmals getankt. Es passten 11 l hinein.

Mich interessiert nun, ob der Ro "auf Reserve" grundsätzlich mit unzuverlässiger Bezinzufuhr bei Kurven- oder Bergfahrten zu kämpfen hat und/oder ob es auch Tanks gibt, die weniger als 83 l  Kraftstoff fassen.

Die gelbe Tankanzeige werde ich in Zukunft aber auf keinen Fall mehr ignorieren.

Beste Grüße aus Thüringen

Stefan

 

Bild von Sascha Scheben

Hallo Stefan!

 

Ich fange erst mal mit der Beschreibung der vorliegenden Gegebenheiten an.

Bei Deinem späteren Modell, ich glaube die Änderung des Tanks ging 1973 mit Einführung des 32 DDITS einher, erfolgt die Kraftstoffentnahme seitlich (links) am Tank und führt von dort zunächst zur am Unterboden montierten Kraftstoffpumpe.

 

Im Inneren des Tanks ist das Entnahmerohr (Röhrchen) über den Tankboden bis etwa in die Mitte des Tanks geführt. Selbst wenn noch Kraftstoff im Tank ist, bei der Größe der Grundfläche des Tanks sind das sicher etliche Liter, wird selbst im eben stehenden Fahrzeug recht schnell Luft angesaugt werden, die Schwimmerkammer wird nicht mehr gefüllt, der Motor verdurstet.

Dies erklärt dann auch, warum Dein erster Startversuch mißlang, Leitungen und Schwimmerkammer mussten sich erst wieder füllen, gut, daß Du um den Trick mit dem LiMa-Stecker wusstest, das entlastet die Batterie!

 

Erklärend ist hier dann auch, aufgrund der nicht unbeachtlichen Restmenge im Tank, daß Du "lediglich" 71 Liter nachfüllen konntest. Allerdings kommt es hier auch etwas auf den "Stand" des Wagens an. Der Einfüllstutzen ist zwar nahezu an der Oberseite des Tanks angebracht, wenn der Wagen allerdings leicht links geneigt steht, bekommst Du den Tank nicht "randvoll".

 

Wenn ich es wirklich darauf anlege so viel Sprit wie möglich in den Tank zu bekommen (vor langen Fahrten oder wenn der Preis verlockend ist), lasse ich den Wagen durch Heben/Drücken an der Stoßstange etwas wippen, dann gehen noch ein einige Liter mehr hinein.

 

Andere Gründe die das Volumen des Tanks reduzieren können gibt es auch. Von der Menge eher vernachlässigbar, wäre "Sediment" im Tank. Was aber schon mal vorkommen soll, ein Beispiel kenne ich persönlich, daß sich der Tank aufgrund defekter Entlüftung (die geschieht über den Tankdeckel) durch den Sog der KS-Pumpe zusammengezogen hat. Beim Kameraden Helmut B. aus Herne war das so gravierend, daß der Tank um über 30 Liter Volumen reduziert war!

Sascha Scheben, Euskirchen

No Rotor, no Motor! (Hast Du einen Ro-Rotor, hast Du einen ZündTRAFO!)

Hallo Sascha,

vielen Dank für Deine schnelle Hilfe und Erklärung.

Ich habe zur Problemschilderung auch eine Mail vom Vorbesitzer meines Ro erhalten und die rundet das Gesamtbild ab.

Der Tank wurde vor Jahren bereits einmal professionell instandgesetzt und könnte deshalb ein wenig Volumen verloren haben. Damit war der Tank offenbar tatsächlich kurz vor "Leer" und alle Werte sind plausibel.

Mit dem Ansaugen in der Tankmitte ist es dann tatsächlich möglich, dass er bereits Luft gezogen hat. Es ist ja bei einer Bergauffahrt passiert.

 

Es bleibt:

1. Einem freundlich-hilfsbereiten Audi-Fahrer den Ro80 zeigen dürfen. Er war vom Auto und der Technik begeistert.

2. Auf Langstrecke "nur" 12 l/100 km.

3. Niemals die gelbe Tankanzeige ignorieren.

 

Beste Grüße aus Thüringen

Stefan