Fahrzeug lässt sich nur noch bei Motorstillstand schalten - brauche Hilfe

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Liebe Ro 80 Freunde,
ich hoffe hier ein wenig Hilfe zu bekommen. Als Intergrundinfo möchte ich kurz erwähnen, dass es sich bei dem „Problem RO“ (Fahrgestellnummer 0821000790)  um ein Museumsfahrzeug handelt. Ich bin dort u.a für die PKW Exponate zuständig, aber kein Ro 80 Experte.
Der R0 80 zeigt nachfolgende Problematik:
 
Das Fahrzeug lässt sich nicht mehr schalten.
 
Ich habe dem Fahrzeug neues Motoröl und neues Getriebeöl spendiert, dann trat das Problem auf, wobei ich denke, dass es da keinen Zusammenhang gibt  (oder?) - auf jeden Fall kann ich nicht mehr schalten -  Wenn der Motor aus ist, funktioniert das Ganze, aber nicht bei laufendem Motor. Laut dem Bordbuch kann ein HD 20W/50 eingefüllt werden, was ich auch tat, da das Fahrzeug nur bei guten Witterungsbedingungen gefahren wird (wenn überhaupt).
Danach dachte ich, dass es ein Problem im Unterdruck System gibt, da die Schläuche sehr alt sind. Nachdem ich diese dann getauscht habe, habe ich mich noch entschlossen dünners Öl zu verwenden, habe mich dann für 10 W /40 Titan ProGas entschieden, ein nicht explizit ausgewiesenes aschearmes Öl, aber mir wurde dieses Öl von Fuchs empfohlen.
 
Leider stellt sich der Erfolg trotzdem nicht ein. Ich habe das Maß am Servomotor/Kupplungsgabel etwas erhöht  auf 35 mm, weil ich dachte dort könnte das Problem liegen. Elektrisch scheint alles in Ordnung, der Kontakt am Schalthebel funktioniert und so langsam gehen mir die Ideen aus – und deshalb wende ich mich an Euch!
 
Danke für Euere Hilfe.
 
Gruß Markus
Bild von Ralf

Hallo Markus,

 

hat mit dem Öl sicher nichts zu tun.

Mit der Betätigung der mechanischen Kupplung bist du schon auf der richtigen Spur, denke ich.

Wenn sich der Ausrückhebel auch um die von dir erwähnten 35 mm bewegt, wenn du den Schalthebel betätigst, sollte alles andere erst mal in Ordnung sein. Dann klebt sicherlich die Kupplung selbst. Das kommt bei lange gestandenen Fahrzeugen öfter vor.

Du kannst versuchen, sie loszubekommen, indem du bei erhöhter Drehzahl abrupt ein- und auskuppelst. Das ist kein Problem, weil du einen Ro 80 dank Wandler ohne Weiteres auch bei eingelegtem Gang starten kannst.

Sichere aber das Fahrzeug vorher sehr gut gegen Wegrollen und schaffe zur Sicherheit am besten Platz vor dem Fahrzeug!!

 

Grüße aus dem Taunus

 

Vielen Dank für die Auskunft, in der Tat habe ich noch nicht geprüft ob sich der Ausrückhebel auch um die ganzen 35 mm bewegt, ich habe das Ganze statisch eingestellt. Danke auch für den verklebten Kupplungstrick, aber das kann es nicht sein, das Fahrzeug ist vorher (also ein paar Tage vorher ) einwandfrei gefahren.

Fehler kündigen sich zwar meist nicht vorher an, aber es war schon seltsam und sicherlich ein Zufall, dass das Problem nach dem Ölwechsel aufgetreten ist. Kann es sein, dass es ein Problem der Vakuum-Pumpe ist  (die, die über das Hilfspleuel angetrieben wird) 

 

Grüße aus Mannheim

Bild von Ralf

Die Einstellung Kupplungsspiel soll natürlich bei Betätigung per Unterdruck-Servo gemessen werden. Davon war ich ausgegangen.

Fangen wir mal anders an: 'Du kannst nicht schalten' heißt was genau?

 

.....ich habe mich nach dem Reparaturhandbuch gerichtet, darin steht (Kurzfassung)

 

Unterdruckschlau abziehen,

Gestänge des Servomotors bis zum Anschlag reindrücken

Kupplungsausrückhebel auf Anschlag in Richtung Servomotor bringen

dann dann Spiel einstellen 30 - 35 mm

 

Jetzt zum Thema Schalten:

 

Wenn ich den Motor gestartet habe, kann ich keinen Gang einlegen, es ist einfach ein Widerstand zu spüren. Stelle ich den Motor ab, kann ich die gewünschte Fahrstufe einlegen. Starte ich dann den Motor kann ich normal fahren und anhalten, nur nicht die Fahrstufe wechseln, oder, z.B. vom ersten in den zweiten, nur mit sehr viel Kraftaufwand die Fahrstufe wechseln.

 

Die Einstellung Kupplungsspiel soll natürlich bei Betätigung per Unterdruck-Servo gemessen werden,

 

Kannst Du mir da mal Hilfestellung geben wie ich es genau einstellen kann?

Bild von Ralf

Ok, dann rudere ich in dem Punkt Spiel einstellen zurück und spare mir angesichts deines Zitats den Blick ins Handbuch.

Aber trotzdem kontrolliere ich das bei lfd. Motor, und es muss sich etwa das gleiche Maß ergeben. Du brauchst dafür nicht einmal einen Helfer, weil das Unterdruckventil, das den Servo betätigt, in Greifnähe ist. Der eine Kontakt liegt an +Zündung, der andere wird gegen Masse getastet, um auszukuppeln. Das kann man also auch leicht mit einer Drahtbrücke oder durch Kabel-Abziehen machen.

Nach deiner Schilderung hast du schon sehr wahrscheinlich das Problem, dass die Kupplung nicht trennt und du die Vorwärtsgänge deshalb gegen den Widerstand der Sync. reindrücken musst. Der Rückwärtsgang ist nicht sync.. Wenn du ihn einzulegen versuchst, bekommst du Gewissheit. Dann wird es wahrscheinlich krachen...

Sollte dem so sein, kontrolliere jetzt erst mal, ob sich bei lfd. Motor der Ausrückhebel überhaupt bewegt, und zwar sehr schnell und nicht nur ganz langsam, und über die ganzen 30-35 mm.

 

Guten Morgen Ralf,

danke für Deine weiteren Infos, ich versuche heute noch den Unterdruckschlauch von der Vakuumpumpe zum Ansaugkrümmer zu bekommen, den hatte ich noch nicht ersetzt (14 mm Innendurchmesser) - aufgrund anderer Projekte komme ich wohl erst nächste Woche dazu, das Ganze auszuprobieren - soweit ich mich erinnere, hat sich der Ausrückhebel aber bewegt, doch ganz sicher sogar, in wie weit, weiß ich aber nicht mehr, glaube aber er hat sich dann nach dem Anziehen, langsam wieder zurückbewegt, bin mir da aber nicht genau sicher. Ich halte Dich auf dem Laufenden.

Deine Schilderung mit dem Schaltverhalten und dem Krachen mit dem Rückwärtsgang stimmt voll und ganz.  

Viele Grüße

 

MarkusT

 

(übrigens handelt es sich bei dem Ro 80 um das Originalfahrzeug von Felix Wankel, weitere Wankelfahrzeuge (Einzelstücke) wie der MB SL mit dem Motor aus dem C111 oder Zisch sind ebenfalls im Fundus)  

 

 

 

Bild von Ralf

Morsche Markus,

 

dass sich der Hebel etwas langsamer zurückbewegt, ist insoweit normal (weil natürlich sanft eingekuppelt werden soll).

Da du schreibst, es hat vor kurzem noch richtig ausgekuppelt, kommen (vorausgesetzt natürlich, es wurde nicht doch etwas zerlegt und nicht wieder richtig zusammengebaut) eigentlich nur diese Möglichkeiten in Frage:

  • Der Unterdruck wäre zu gering. Das könnte viele Ursachen haben. Hebelweg im Betrieb nachmessen bringt aber eine eindeutige Aussage, ob man dort weiter suchen muss. Darum hatte ich dir das auch ans Herz gelegt.
  • Die Einstellung Ausrückhebelweg stimmt doch nicht.
  • Du hast einen Wackelkontakt oder eine andere elektrische Fehlfunktion (oder das Ventil hat vielleicht einen Defekt), sodass doch der Unterdruck über das Ventil nicht immer richtig gesteuert wird. Dann würde sich während deiner Schaltprobleme jeweils am Hebel gar nichts bewegen. Das kann man auch recht einfach testen.

Das Forum ist gespannt. Viel Spaß mit dem Schätzchen!

 

Ralf

 

 

Hallo Markus,

 

Ist Deine vakumpumpe 100% in ordnung? Da kann auch was passieren.

Mit freundlichen Grüsse,

Georges Stoelen

Belgien

Bild von Matthias

MarkusT schrieb:

 

(übrigens handelt es sich bei dem Ro 80 um das Originalfahrzeug von Felix Wankel, [...])

 

 

Um diesen?

 

www.kabeleins.de/auto/abenteuer_auto/videos/clips/clip_40-jahre-nsu-ro-80_34030/

 

Gruß

Matthias

 

Hallo liebe Mithelfende!

 

leider kann ich den Film nicht öffnen Matthias, aber ich gehe mal davon aus, dass ich den Ro 80 gefahren habe, denn es wurde schon mehr über das Auto berichtet - erkennbar sind bei Wankel´s Fahrzeugen, dass auf der Motorhaube eine stilisierte Trochoide angebracht ist, außer bei Einspritzwankel im Audi 200 (glaube ich zumindest, steht aber z.Zeit im Depot).

 

Doch nun zurück zu meinem Problem. Ich habe mal die einzelnen Punkte aufgeführt:

 

1 Motor aus Zündung aus Kupplungshebel steht Richtung Fahrgastraum
2 Motor aus Zündung an Kupplungshebel zieht an - Richtung Dose
3 Motor aus Zündung an

Schalthebel wird berührt – es kann geschaltet werden.
Beim Loslassen  des Schalthebels bewegt sich der Hebel wieder Richtung Fahrgastraum

4 Motor an   Kupplungshebel zieht an - Richtung Dose.
5 Motor an   Schalthebel wird berührt – nichts passiert –
Kupplungshebel bleibt angezogen Richtung Dose
6 Motor an   Massekabel wird am Unterdruckventil abgezogen, Kupplungshebel geht Richtung Fahrgastraum.
Es lässt sich kein Gang einlegen. 
7 Motor an   Masse manuell getaktet am Unterdruckventil – Kupplungshebel geht Richtung Dose.
Es lässt sich trotzdem kein Gang einlegen.

 

Also in keiner Stellung kann der Gang bei laufendem Motor eingelegt werden. Der Kupplungshebel macht ca 30 - 33 mm Weg, wobei die ersten 20 mm  schnell zurück gelegt werden, die letzten mm eher sehr langsam.
 
Für weitere Info´s bin ich weiter sehr dankbar, ich wünsche Euch allen ein frohes Weihnachtsfest.
 
Viele Grüße
 
Markus

 

Bild von Andreas Bertsch

Hallo Markus

ich hatte das gleiche Problem bei meinem RO als ich ein anderes Getriebe eingebaut hatte. Damals lag es an einer verklebten Kupplung, wie hier auch schon erwähnt. Wenn du ohne Motorlauf die Gänge schalten kannst, jedoch nicht während des Motorlaufs, dann ist es die verklebte Kupplung. Das Ausrücklager wird ja betätigt, nachdem sich der Kupplungshebel richtig bewegt. Du kannst es auch nochmals prüfen, wenn du den Motor mit eingelegtem Gang startest, dann wirst du diesen ohne Geräusche nicht herausbekommen. Du kannst es mit etwas Gewalt probieren, indem du mit dem eingelegten 1. Gang fährst und durch ständigen Lastwechsel die Kupplung etwas strapazierst, dann immer wieder schalten probieren, normalerweise löst sich dann die Kupplungsscheibe wieder. Ansonsten bleibt dir nur der Ausbau des Getriebes übrig, bei mir hat es jedenfalls so funktioniert.

 

Grüße aus Graz

Andreas

Hallo Andreas,

danke für deine Info, sobald das Wetter etwas besser wird, werde ich das Ganze ausprobieren und darüber berichten. Bitte die Daumen drücken!

 

Viele Grüße

 

Markus

Bild von Ralf

Ein gutes Neues, Markus,

 

ich wollte dir ja auch noch ein paar Anmerkungen in deine Tabelle schreiben. Vielleicht wird dir dann mancher Zusammenhang klarer. Das ist immer von Vorteil.

 

1 Motor aus Zündung aus Kupplungshebel steht Richtung Fahrgastraum = Eingekuppelt
2 Motor aus Zündung an Kupplungshebel zieht an - Richtung Dose Solange du genug Unterdruck im Vorratsbehälter hast. Wenn alles dicht ist, geht das noch Tage nach Motor aus. Also würde ich erst mal nicht die Pumpe und die Schläuche verdächtigen.
3 Motor aus Zündung an

Schalthebel wird berührt – es kann geschaltet werden.
Beim Loslassen  des Schalthebels bewegt sich der Hebel wieder Richtung Fahrgastraum

siehe Zeile 2
4 Motor an   Kupplungshebel zieht an - Richtung Dose.

Das ist vermutlich eine Ungenauigkeit deiner Untersuchung. Denn Zündung an und Motor an kann keinen Unterschied machen, solange noch Vorrat im Speicher, s.o..

Ich bin aber ziemlich sicher, warum du das beobachtest: Es gibt bei den späten Modellen noch einen Kontakt am Getriebe, der in Leerlaufstellung den Kontakt am Schalthebel überbrückt (also dauerhaft auskuppelt!). Das ist der wahre Zusammenhang, den du irrtümlich mit lfd. Motor in Verbindung gebracht hast.

Das passt und ist ok. Aber es heißt auch, dass der Servo ganz viel Zeit zum Auskuppeln hat, es aber entweder nicht tut (Hebelweg genau messen), oder eben doch der Belag ganz einfach nur klebt und sonst alles ok ist.

5 Motor an   Schalthebel wird berührt – nichts passiert –
Kupplungshebel bleibt angezogen Richtung Dose
siehe Zeile 4
6 Motor an   Massekabel wird am Unterdruckventil abgezogen, Kupplungshebel geht Richtung Fahrgastraum.
Es lässt sich kein Gang einlegen. 
ok
7 Motor an   Masse manuell getaktet am Unterdruckventil – Kupplungshebel geht Richtung Dose.
Es lässt sich trotzdem kein Gang einlegen.
ok

 

Also in keiner Stellung kann der Gang bei laufendem Motor eingelegt werden. Der Kupplungshebel macht ca 30 - 33 mm Weg, wobei die ersten 20 mm  schnell zurück gelegt werden, die letzten mm eher sehr langsam.

 

Beim Einkuppeln, aber nur beim Einkuppeln, ist die Bewegung auf den letzten mm langsamer. Wie, das ist das große Geheimnis des Ventils. In der Rep.-Anleitung steht, wie du das justieren kannst, wenn es zu langsam sein sollte. Wenn sie denn mal wieder trennen wird, würde sich das durch spürbares Rutschen der Kupplung vor allem bei starkem Beschleunigen direkt nach dem Einlegen des ersten Gangs bemerkbar machen.

Keinesfalls darf die Bewegung beim Auskuppeln irgendwie träge sein oder nicht immer die ganzen 35 mm vollführen.

 

Ralf

 

Hallo liebe Wankelfreunde,

 

der Ro 80 funktioniert wieder - und ich habe vieles dazugelernt - noch einmal Danke für Euere Hilfe und Gedanken die Ihr Euch gemacht habt und die tolle Tabellenergänzung. Was auch immer die Ursache war, ich bin jedenfalls gestern gefahren, habe immer wieder probiert und vorsichtig geschaltet und siehe da plötzlich kuppelte das Fahrzeug aus als ich die Hand am Schalthebel hatte........................und nun funktioniert´s.

 

Also nochmal Danke, Danke!

 

Gruß Markus